Schwanger! Der Stempel „Teenie-Mutter“ war mir sicher

Moin!

Kennt ihr die Doku-Soap „Teenie-Mütter“? Ich finde, der Macher dieser Sendung sollte geohrfeigt werden! Ja, ich weiß ein ziemlich hartes Statement, aber das darf ich auch haben. Warum? Ganz einfach, weil sie junge Mädchen, die ja leider meistens aus schwächeren Verhältnissen kommen, zur Show stellt und jedes Mädchen, das früh schwanger wird einfach abgestempelt wird, ohne überhaupt zu wissen, welchen schweren Weg diese Mädchen gehen!

Ich war damals 15 Jahre alt, als ich den ersten Schwangerschaftstest meines Lebens gemacht habe und ja – er war gleich positiv! Was das hieß, wusste ich nur geringfügig! Entschuldigung, ich war 15, als ich Mutter wurde. War mir bewusst, was jetzt auf mich zu kommt? Nein, woher auch?! Ich war in der 10. Klasse und wollte eigentlich meinen Abschluss machen, hatte meinen Platz zur Ausbildung als Stewardess sicher und wollte dafür alles tun, um dieses Ziel zu erreichen. Ja, schade falsch gedacht… Der Test war positiv.. Die Frage behalten oder einen Termin bei ProFamilia machen, stand für mich gar nicht zur Debatte! So schön, so gut. Also musste ein Plan her! Meine Mama grade wieder neu verheiratet, stand seit der ersten Sekunde hinter mir, wofür auch sie missbilligende Blicke erntete. Die Eltern meines damaligen Freundes fanden es zu tiefst empörend, dass wir ein uneheliches Kind kriegen. Jetzt auch noch Heiraten? Ja, als ob! Hallooo? ich war immer noch 16 Jahre alt…

Wir, meine Eltern, mein Bruder, ich und der Kindesvater sind dann 2004 (zu meinem Vorteil) Richtung Hamburg gezogen. Somit stand die Anmeldung auf einer neuen Schule an. An meiner alten Schule wussten es genau 3 Leute bis zum Umzugstag und das war auch gut so! Aber jetzt musste ich es ja zu geben… Die Sekretärin fragte bei der Anmeldung, ob es Besonderheiten gäbe, auf die die Schule achten müsste, Medikamenteneinnahme, Erkrankungen etc. JA! Eine Besonderheit gab es… Ich war schwanger! Das einzige was von der Dame, die hinter dem Tresen stand, kam: „Ach, wir haben hier noch 3 Mädchen die schwanger sind!“ Äh, wie bitte? Oh mein Gott, wo bin ich hier gelandet? Es war erschreckend! Jedes Mädchen, was mir sagt, dass es mit 16 geplant schwanger wird, erntet ein Kopf schütteln. Das kann ich nicht nachvollziehen und finde wirklich dass das einfach nicht reiflich überlegt ist… Denn sie wissen definitiv nicht, was auf sie zu kommt!!! Mitten in der Pubertät, voller Hormonachterbahnen oder wie wir zu pflegen sagen: man selber nicht weiß ob man Fisch oder Fleisch ist, kann man eine so verantwortungsvolle Entscheidung nicht treffen! Somit nur zur Klärung: Ich bin nicht geplant schwanger geworden! Und ja wir haben verhütet, leider war meine Pille zu niedrig dosiert und war somit nicht ausreichend, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Ich bin also auf diese Schule gegangen, freiwillig zurück in die 9. Klasse, denn ich hatte mir zum Ziel gesetzt, dass ich meinem Kind etwas bieten möchte – ausser Luft und Liebe! Ich wollte nicht irgendwann in meinem Leben mit meinem Kind an der Kasse stehen und sagen müssen: „Nein, leg das weg das kann ich mir nicht leisten!“… Mein damaliger Freund ist dann nach 3 Monaten wieder zurück gezogen und wir führten eine Wochenend-Beziehung, was auch die Situation nicht leichter machte. So, nun kam also der langersehnte, schmerzhafteste Tag in meinem Leben… Die Geburt meines Sohnes… Eine Explosion aller Gefühle und Hormone, die in mir steckten… Ein Wunder der Natur und das schönste Geschenk, was es nur gibt im Leben.

Ich habe im Mai entbunden und nach den Sommerferien ging es wieder zur Schule. Der Baby-Schul-Teenager-Alltag war perfekt… Morgens aufstehen, zur Schule, mittags nach Hause, meistens kam ich so das Leon gefüttert werden musste, Mittagsschlaf, in der Zeit selber was essen und im Akkord Hausaufgaben machen. Nachmittags war Leon’s Zeit, Spaziergänge, betüddeln etc. War das Kind abends im Bett hieß es, Vokabeln lernen, Referate vorbereiten und Mappen gestalten bis spät in die Nacht. Ein Glück das ich meine Eltern hatte, die mir ermöglicht haben zur Schule gehen zu können. Meine Mom hat ihren Job aufgegeben und war zuhause. Was aber nicht bedeutete, dass ich meine Jugend ausleben konnte und sie sich um alles gekümmert hat! Nachts aufstehen, wenn am nächsten Morgen eine Mathearbeit anstatt, fiel definitiv in mein Aufgabenbereich. Ich hatte nicht nur den Stempel „Teenie-Mutti“ abbekommen, nein – ich hatte inzwischen auch den Award der Alleinerziehende bekommen. Aber auch hier kam erst spät die Einsicht, dass man mit 16 Jahren definitv NICHT mit dem Mann ein Leben lang zusammen bleibt mit dem man da grade zusammen war und ein Kind hatte! Hat auch etwas gedauert, aber lieber spät als nie! =)

Die Abschlussprüfungen kamen und der Stress bzw der Druck wurde mehr! Lernen/Bewerbungen für den geeigneten Ausbildungsplatz schreiben und Kind versorgen, war nicht immer einfach, besonders wenn beides zur gleichen Zeit kam. Richtig, es war nicht einfach – ABER machbar! Realschule war erfolgreich abgeschlossen, nun kam die Ausbildung… Da war sie wieder die Hürde aller Teenager.. Bin ich Fisch oder Fleisch? was will ich überhaupt? Das was ich machen wollte, konnte ich nun nicht mehr machen! Meinen ersten Ausbildungsplatz konnte ich nicht antreten und mein Traum als Stewardess hatte sich zerschlagen, aber was jetzt? Will ich ins Büro? Oder doch etwas mit Menschen machen? Oder vielleicht doch noch ein Fachabitur dranhängen? Ich habe mich beworben, bei Firmen die mich etwas angesprochen hatten und parallel noch an einem Wirtschaftsgymnasium und der MTA-Schule. Besser verschiedene Sachen und sich dann eventuell etwas aussuchen, als gar nichts in der Hand zu haben, war damals meine Devise! Ich hatte dann die Zusage von der MTA-Schule bekommen und dachte, dass ist das was du dir am besten vorstellen kannst! Ich hatte etwas mit Technik, Menschen und Medizin zu tun… Sehr umfangreich also und kann nicht langweilig werden. Doch auch hier hieß es lernen, lernen und lernen denn schließlich würde ich diese Ausbildung mit einem staatlichen Examen absolvieren! Selbst in der Ausbildung gab es die einen oder anderen die mich schräg angeschaut haben, als ich erwähnte das ich Mutter sei. In den einzelnen Abteilungen kam das auch nicht unbedingt gut an, aber was sollte ich machen? Mein Kind war nun mal da und ich bin halt sehr jung…

In meiner Ausbildung – ziemlich genau 1 Jahr vor meinem Examen, gab es zuhause mit meinen Eltern einen ziemlich eskalierenden Streit, der mich dazu zwang eine eigene Wohnung zu finden. 3 Genrationen unter einem Dach ist halt eine Herausforderung. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?! Meine Mom hat auch wieder angefangen eine Weiterbildung zu machen, somit war die Kinderbetreuung auch nicht mehr gegeben…  Während meiner Ausbildung habe ich auch keinen Cent verdient, sondern durfte dafür bezahlen das ich die Ausbildung machen kann, es war nämlich eine schulische Ausbildung. Also stand ich da, eine eigene Wohnung musste her, sowie ein Kindergartenplatz und der Kühlschrank musste auch irgendwie gefüllt werden. Ich habe Leon geschnappt und bin zu sämtlichen Ämtern gelaufen, Bafögstelle, Arbeitsamt, Jugendamt, Bauamt alle die mir auch nur etwas helfen konnten. Eine Wohnung hatte ich gefunden, die den Anforderungen vom Arbeitsamt entsprach. Eine Tagesmutter (ich möchte betonen es war die BESTE Tagesmutter die man nur kriegen konnte!!!) war auch schnell gefunden und einen Kindergartenplatz hatte ich für Ende des Jahres sicher. Eigentlich perfekt, doch ich hatte noch keine Möbel und musste ja auch irgendwie was essen… Für mich war diese Zeit sehr schwer. Ich musste zum Amt gehen und das obwohl ich dabei war meine Ausbildung zu machen. Natürlich erntete ich auch da böse Blicke und dumme Sprüche. Hat es mich eingeschüchtert? Nein! Im Gegenteil – es hat mich stark gemacht und hat mir gezeigt, was ich als Alleinerziehende für Rechte habe. Ich möchte diesen Weg nicht nochmal gehen, auch wenn ich viel dazu gelernt habe und meine Erfahrungen gesammelt habe.

So nun zurück zu den Möbeln/Essen… Ich bin während meiner Ausbildung mit einem (es ist liebevoll gemeint!! weil ich ihn heute auch noch so nenne) Türken zusammen  gekommen. Kurzfassung: die Beziehung hatte viele gute und schlechte Zeiten, wir waren 8 Jahre zusammen sind aber jetzt seit 2 jahren auseinander, weil wir einfach unterschiedliche Lebensansichten haben.. sind aber heute noch sehr gut befreundet… vielleicht schreibe ich dazu auch nochmal einen Post. Jedenfalls hat mich mein damaliger Freund sehr unterstützt, was die Wohnung angeht. Auch hier war ich auf Hilfe angewiesen. Das Verhältnis zu meinen Eltern hatte sich auch inzwischen wieder eingerenkt. Es gab viele Gespräche aber zurück nach Hause wollte ich dann doch nicht. Nicht nach diesem hart erkämpften Weg. Mein Tag sah dann wie folgt aus: Morgens Kind zur Tagesmutter bringen um 7.00h bzw in den Kiga und dann zur Ausbildung, nachmittags nach Feierabend Kind wieder abgeholt ca. 17.00/17.30h (Leon war zu dem Zeitpunkt übrigens schon 3 Jahre alt) Kind bettfertig gemacht, da wurde die Mama-Leon-Zeit geboren, da war dann kein Handy, keine Freunde etc. sondern nur ich und mein Kind, denn Zeit war das, was wir nur noch wenig miteinander hatten. Leon war im Bett, zack kamen die Ordner zum Vorschein und ich habe gelernt. Jeder der in seinem Leben ein Examen gemacht hat, weiß dass es definitiv nicht wenig ist was man lernen muss. Ich habe mein Examen gemeistert und war fertig für die Berufswelt. 2 Wochen später fing ich meinen ersten Job in einem Hamburger Krankenhaus an und verdiente endlich mein eigenes Geld. Finanzielle Hilfe brauchte ich dann nicht mehr!

Und Heute?

Heute gehe ich immer noch nach wie vor arbeiten, mit Schicht- und Wochenenddiensten. Allerdings in einem anderen Krankenhaus. Leon und ich sind dann nochmal in eine größere Wohnung mit Garten gezogen und haben unseren ersten Urlaub auf Mallorca kurz vor Leons Einschulung verbracht. Jetzt wo wir hier wohnen, haben wir ganz viele Freunde und vor allem Anschluss gefunden. Ohne das es dumme Sprüche, schräge Blicke oder abwertende Kommentare gab. Im Gegenteil ich habe hier den Respekt und teilweise auch Anerkennung bekommen, die ich die Jahre zuvor nicht bekam. Ich lernte vor 1 1/2 Jahren dann meinen heutigen Freund kennen und jetzt sind wir das, was ich gehofft hatte vor 11 Jahren schon zu sein – Eine (meine eigene) Familie… Ich möchte noch einmal betonen das vom Kindesvater nicht einmal irgendetwas kam! Inzwischen kläre ich mit ihm alles nur noch über Anwälte und Gericht, weil es anders nicht möglich ist. Mein Kind hat es mir nie übel genommen, weil ich immer mit offenen Karten gespielt habe. Und trotz meiner langjährigen Beziehung, war ich immer alleine mit meinem Kind. Leon und ich haben eine Bindung die unbezahlbar ist! Ich liebe mein Kind über alles und weiß das ich den richtigen Weg gegangen bin, auch wenn es viele Felsbrocken zu überwinden waren. Es hat sich gelohnt und ich weiß, wofür ich so gekämpft habe. Es ging nicht ohne Hilfe und man ist auf Hilfe angewiesen deshalb meine Bitte an Euch… Mädchen die mit 16 oder jünger schwanger sind, schaut sie nicht schräg an und spart euch das getuschel. Diese Mädchen haben es nicht leicht und haben einen schweren Weg vor sich. Wenn man einmal einen Stempel von der Gesellschaft abbekommen hat, ist es verdammt schwer ihn wieder los zu werden!

Im übrigen findet Leon es saucool eine so junge Mutti zu haben und auch seine Kumpels finden es echt gut. Ab und zu gönnen Leon und ich uns auch den Spaß, wenn man uns für Geschwister hält, die Leute auflaufen zu lassen =) Ich möchte mich an dieser Stelle auch nochmal bei meiner Familie bedanken, die mich immer selbst bis heute tatkräftig unterstützt haben und für mich und Leon da sind! Ich hab Euch lieb!

In diesem Sinne wünsche ich Euch nach so einem langen Post noch eine schöne Zeit!

Eure Tanja

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