Side by Side through life

Moin ihr Lieben!

Ich habe vor ein paar Tagen diese Nachricht bekommen: #geschwister

Sie kam von einer Person, die ich seit 28 Jahren kenne, mit der ich 19 Jahre unter einem Dach gewohnt habe und seit 6 Jahren als meinen Nachbarn habe – meinem Bruder!

Mein Bruder ist 4 Jahre älter als ich und musste in seinem Leben als großer Bruder ziemlich viel einstecken. Denn mich als (kleine) Schwester zu haben ist glaube ich, seine größte Herausforderung im Leben. Klein, biestig und gemein… ja so war ich tatsächlich früher… aber auch er war nicht ohne. Anstatt mich davon abzuhalten Blödsinn zu machen in meinem kleinen unerfahrenen Leben, zeigte er mir wie man richtig Blödsinn anstellte.

Unsere Kindheit sah so aus: wir sind in einem großen Haus aufgewachsen, in dem unsere Oma auch wohnte. Um das Haus waren Wiesen und Felder, es war ein kleine Sackgasse und 5 min Fußweg um in den Ort zu kommen – idyllisch und absolut perfekt für Kinder. Inzwischen ist aber leider jede Wiese bebaut und auch die Sackgasse gleicht einem Durchgang für Fußgänger und Fahrradfahrer. Unser Haus stand/steht am Ende der Sackgasse, somit war viel Platz zum spielen vorhanden. Unser Papa hatte für uns eine Rutsche mit Baumhaus gebaut und eine Schaukel angefertig. Da Sandkisten wirklich nur was für kleine Gärten sind, hatten wir einen riesen Sandhaufen. Ein Paradies! Wir spielten viel zusammen, mit seinen Autos, Lego oder auch Playmobil. Fast jeden Tag spielten wir draußen, liefen über die Wiesen und Felder – worüber der Bauer nicht so begeistert war! Wir bauten Höhlen aus Ästen und Sträuchern und kletterten auf die höchsten Bäume die es gab, wir spielten Spiele wie „A zerschlagen„, „Tier-Tick„, fuhren Fahrrad auf der Straße immer und immer wieder im Kreis, spielten Fußball, plantschten im Pool oder spielten Soft-Tennis… In unserem Haus gab es einen großen Partyraum in dem unsere Tischtennisplatte stand, wenn mal keine Cliquenfete von unseren Eltern gefeiert wurde, ich kann mich echt gut daran erinnern, als wir unter der Tischtennisplatte unser Playmobil-Fort aufgebaut hatten oder uns eine Höhle gebaut haben und stundenlang Kassette hörten. Wir teilten uns ein Zimmer, was auf Dauer natürlich nicht ging. Also bekam ich mein eigenes Zimmer, am anderen Ende der Wohnung – weit weg von meinem geliebten Bruder… was machte klein-Tanja also? Ich ging immer und immer wieder zu ihm – nur zum schlafen war ich in meinem eigenen Zimmer.

Doch es gab nicht nur rosige Tage! Mein Bruder und ich spielten Soft-Tennis und er war der Meinung er hätte gewonnen, ich war jedoch anderer Meinung und holt mit meinem Plastik Tennisschläger aus und hab ihm damit das rechte Handgelenk gebrochen. Zwei Tage vor seiner ersten Klassenfahrt! Meine Mom war begeistert, denn sie musste Urlaub nehmen und mitfahren, da Meik vieles alleine nicht machen konnte mit dem Gipsarm. Die Rechnung bekam ich ein Jahr später. Mein Bruder ärgerte mich und ich habe versucht ihn zu kriegen um ihn eine reinzuhauen… Endresultat war, ich bin voll hingeflogen und habe mir beide Knie und Ellenbogen aufgeschürft – zwei Tage vor meiner Einschulung. Ich war die einzige beim Einschulgottesdienst, die sich in der Kirche nicht hinknien konnte – wundervoll… Mein Bruder zeigte mir dann irgendwann das Spiel mit dem Feuer und wie toll doch Plastik schmilzt. Im Hochsommer, im Wald! Super Idee… Über die Konsequenzen wie ein Flächenbrand, dachte natürlich keiner von uns nach. Als unsere Eltern uns erwischten, dank meiner blau gefärbten Haare vom blauen Plastik Sandeimer, gab es das schlimmste Donnerwetter für uns, was es nur geben konnte. Ganz abgesehen von den alltäglichen Machtkämpfen… mein Bruder war mir kräftemäßig weit überlegen und haute mir oft während er an mir vorbei ging, mit voller Wucht auf den Oberarm. Meine Revanche: ich habe ihn in die Handrücken gekniffen… er wird heute noch täglich daran erinnert, weil meine Fingernägel tiefe Spuren in seiner Haut hinterlassen haben… Irgendwann klemmte er mir dann noch meine Hand in die Sicherheitsmetalltür bei meiner Oma ein und meine Finger waren bis zur Knochenhaut auf. Das war die Kehrseite am Paradies!

Als unsere Eltern sich das erste mal trennten, zogen Meik und ich wieder in ein Zimmer und es war echt eine witzige Zeit… Ich sag nur Erbsensuppe an der Decke! =) Meine Mama ist mit uns in eine 3 Zimmer Wohnung gezogen. Sie hatte zu dem Zeitpunkt wirklich wenig Geld und war grade in einer Weiterbildung. Die Wohnung war echt toll und grade frisch renoviert worden… Mein Bruder und ich kamen aus der Schule und es gab Erbsensuppe zum Mittag. Meine Mom ließ uns alleine in der Küche um die Wäsche zu machen… Wir hatten die wundervolle Idee beim Essen „Stip-Stop“ zu spielen… Irgendwann passierte es und wir prusteten los vor lachen, was leider dazu führte das die Erbsensuppe nicht in unseren Mündern, sondern an der Decke und an der Wand der Küche wiederzufinden war… Schade =)

Doch irgendwann kam bei uns beiden die Pubertät… wir veränderten uns. Spielten nicht mehr mit einander und eigentlich wollten wir auch nichts von dem anderen wissen. Es kamen viele Freunde von meinem Bruder zu uns nach Hause. Es gab häufig Hauspartys und „Sit-in`s“ und die kleine Schwester war uninteressant, nervte und war nur noch ätzend…

Dann kam die Zeit, als mein Bruder zur Bundeswehr ging. Der Umzug Richtung Hamburg stand vor der Tür und zu allem Überfluss war ich schwanger… Ich sah meinen Bruder wenn überhaupt nur noch am Wochenende und das brach mir das Herz. Die Distanz zu meinem geliebten Bruder belief sich zwischenzeitlich auf 750km. Es war wirklich schwer. Als ich dann kurz vor der Entbindung stand, versuchte mein Bruder regelmäßig am Wochenende nach Hause zu kommen. Als er eines Freitagsabends Heim kam, saß ich in der Küche, hochschwanger 1-2 Wochen vor der Entbindung. Er kam rein und ich hab von jetzt auf gleich einen so heftigen Heulanfall bekommen, dass mein Bruder völlig verstört war, denn immerhin unterhielt ich mich grade noch fröhlich mit meiner Mom. Als er die Küche verließ folgte auf den Heulanfall ein Lachanfall. Meik fühlte sich ein wenig vereimert von mir, wie man vielleicht verstehen kann. Er kam in die Küche ich fing an zu heulen, er verließ die Küche ich hab angefangen zu lachen. Ohne Spaß – ich habe da das erste Mal gemerkt was Hormone mit einem anstellen können. Ich konnte es wirlich nicht steuern!

Leider konnte er das Wochenende als Leon geboren wurde nicht bei mir sein, aber er wurde Patenonkel. Wer auch sonst sollte diese ehrenvolle Aufgabe bekommen, wenn nicht er? Tatsächlich gab es auch in den folgenden Jahren Momente, in denen wir uns ein wenig auseinander gelebt haben. Ich zog mit meinem Kind aus und auch mein Bruder wurde flügge. Die Bundeswehrzeit hatte er hinter sich gebracht und zog mit seiner damaligen Freundin zusammen. Doch es dauerte nicht lange, als wir (Leon und ich) in die neue Wohnung zogen, folgte mein Bruder mir ein Jahr später in dasselbe Dorf, in die gleiche Straße. Heute wohnen wir wieder so dicht bei einander, um genau zu sein ein Haus steht zwischen unseren Wohnungen… Auch wenn ich ihn nicht jeden Tag sehe, nicht jeden Tag was von ihm höre, kann ich mir zu 100 % sicher sein das er in meiner Nähe ist. Er gibt mir auch heute noch das Gefühl von Sicherheit.

img_1816

Im Sommer 2015 gab es hier ein fürchterliches Unwetter. Es blitzte und donnerte, stürmte und die Äste flogen durch die Gegend. Nachts um 2! Da ich ein absoluter Schisser bin was Gewitter angeht, habe ich nachts meinen Bruder angerufen und wir telefonierten so lange bis das Gewitter vorrüber war. Letztes Jahr wurde in dem Haus zwischen uns eingebrochen, wieder nachts. Ich war tief und fest am schlafen und wurde von der Alarmanlage und dem Geschrei was von draußen kam, wach… Plötzlich klingelte mein Handy und mein Bruder war dran, der alles von seinem Balkon mehr oder weniger mitbekommen hat -wie gesagt es war Nacht!Wir waren beide hellwach und musste das erlebte teilen. Als Leon 2015 für eine Nacht im AKK zur Überwachung war, machte er eher Feierabend und kam ins Krankenhaus. Als mein Bruder im Krankenhaus lag war es für mich natürlich selbstvertsändlich zu ihm zu fahren und ihm die Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Wir waren (mein Bruder heute immer noch) beide Fußballtrainer für dir Kids aus unserem Dorf und unterstützten uns auch bei diesen Aktivitäten. Wir hielten uns an den Händen, nahmen uns in den Arm und weinten zusammen, um geliebte Menschen die von uns gingen.

img_4116

Es ist unbezahlbar einen großen Bruder zu haben. Ich liebe meinen Bruder von ganzem Herzen. Er ist mein VIP unter den Menschen in meinem Leben. Er ist die Farbe in meiner schwarz/weißen Welt, die Sonne an meinen Regentagen. Mein Verbündeter, mein Vertrauter, mein Seelenverwandter. Er gibt mir Nähe ohne Enge, ein Zauber ohne Ende. Mit ihm bespreche ich Dinge, die ich mit keinem anderen bespechen kann. Ich muss mich vor ihm nicht schämen. Er ist da wann immer ich ihn brauche. Auf ihn ist verlass, egal wo er grade steckt. Er bringt mich zum Lachen, wenn ich grade heule. Kein Mensch auf dieser Welt kann jemals den Platz meines Bruders einnehmen.

Geschwister kämpfen ums Essen, um die Fernbedienung und einfach um den anderen zu nerven. Und lieben. Ganz viel Liebe, weil Geschwister die Menschen sind, die uns in und auswendig kennen und für immer an unserer Seite stehen!

Together – Side by Side through life!

Bis bald

Eure Tanja

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s